Gedenken an die Deportation der Deutschen aus der Wolga-Region

Westmann: „Das damalige Leid mahnt uns heute zum bauen von Brücken in Europa“

Heute (28.08.2018) vor 77 Jahren begann für die mehr als 350.000 in der damaligen Sowjetunion lebenden Deutschen auf dem Gebiet der Wolga ein Weg großen Leids. Ein Erlass des Obersten Sowjets erklärte die Deutschen kollektiv zu Kollaborateuren des Naziregimes. Stalin ordnete ihre Deportation nach Sibirien und Kasachstan an. Zahlreiche Männer, Frauen und Jugendliche mussten fortan Zwangsarbeit in sogenannten Gulags verrichten. Viele fristeten ihr Schicksal in den Straf- und Arbeitslager weit über das Ende des Zweiten Weltkriegs hinaus. Tausende kamen unter den menschenunwürdigen Bedingungen ums Leben.

„Unvorstellbares Leid und die menschlichen Schicksale vor fast acht Jahrzehnten zeigen bis heute Auswirkungen auf die Familien und Nachkommen der Deutschen aus Russland. Die Gräueltaten und das Unrecht, die während des Zweiten Weltkriegs von sowjetischer und von deutscher Seite ausgingen, sollten uns stets Mahnung sein. So etwas darf in Europa nie wieder geschehen“, sagt die Niedersächsische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, Editha Westmann.

Deutsche und Russen sollten um ihre Vergangenheit wissen, um die Zukunft gemeinsam gestalten zu können. Denn heute gelte es mehr denn je, innerhalb Europas Brücken zu bauen und zur Aussöhnung beizutragen, betont Westmann.

Die Landesbeauftragte begrüßt es, dass neben der zentralen Gedenkfeier, zu der die ausrichtende Landsmannschaft der Deutschen aus Russland an diesem Sonnabend bis zu 250 Gäste im Grenzdurchgangslager Friedland erwartet, wenige Tage später zugleich der Gedanke der Partnerschaft im Fokus stehe. Denn bereits Anfang kommender Woche kommen die Landesgruppe Niedersachsen der Deutschen aus Russland und Gäste aus der Stadt Perm zusammen. Gemeinsam begehen sie unter dem Motto „Freundschaft über die Grenzen“ das 25-jährige Jubiläum der Partnerschaft des Landes Niedersachsen mit Perm sowie die fünfjährige Zusammenarbeit der russischen Partnerorganisation und der Landsmannschaft.

Heute machen Deutsche aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion den Großteil der rund 400.000 Aussiedler und Spätaussiedler aus, die in Niedersachsen leben. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Daher tun wir gut daran, ihre Fähigkeiten aber auch ihre kulturelle Identität anzuerkennen und ihren Willen zur Teilhabe zu würdigen“, sagt Westmann mit Blick auf die wieder steigenden Zahlen von Spätaussiedlern. Im vergangenen Jahr kamen rund 7.000 Menschen nach Deutschland. Von diesen siedelten sich rund 650 in Niedersachsen an.